Samtgemeinde Rosche

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Energieeffiziente Abwasserreinigung

Kläranlage Rosche

Das Land Niedersachsen verfolgt mit dem EFRE-Multifondsprogramm (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) die Strategie, des intelligenten, nachhaltigen und integrativen Wachstums. Das Multifondsprogramm soll zum Wirtschaftsprogramm „Europa 2020“ der EU einen Beitrag liefern.

 

Die Samtgemeinde Rosche schließt sich dem Schwerpunkt Klimaschutz des Programms mit Maßnahmen zur CO2-Einsparungen an der örtlichen kommunalen Kläranlage an. Es ist für den Zeitraum vom August 2017 bis Dezember 2019 die Planung und der Bau einer Klärschlammvererdungsanlage sowie die verfahrenstechnischen Anpassungen (Neubau Rechen, Sandfang sowie Umrüstung des Misch- und Ausgleichsbehälters) am Standort der Kläranlage Rosche vorgesehen.

 

Das Vorhaben ist neben dem verbesserten Klimaschutz begründet mit den steigenden Anforderungen, die aus der Verabschiedung der neuen Klärschlammverordnung und Düngemittelverordnung hervorgehen sowie den damit verbundenen schrittweisen Ausstieg aus der landwirtschaftlichen Klärschlammverwertung. Der derzeitig wirtschaftliche und ökologische landwirtschaftliche Verwertungsweg gilt zukünftig als nicht gesichert.

 

Mit dem Klärschlammbehandlungsverfahren der Klärschlammvererdung können folgende ökologische und wirtschaftliche Vorteile erschlossen werden:

  • Energieeinsparung bei der Klärschlammbehandlung durch Wegfall der maschinellen Entwässerung.
  • Verringerung des Transportbedarfes und damit der Transportenergie durch Volumen-reduzierung.
  • Mit dem Entfall von Chemikalien wie Polymeren bei der Schlammbehandlung wird den Anforderungen der Düngemittelverordnung Rechnung getragen.
  • Die Behandlungs- und Stapelzeit von ca. 15 Jahren vor erster Räumung gibt wertvolle Zeit zur Erschließung weiterführender Verwertungswege, insbesondere unter dem Aspekt der bisher nicht verfügbaren Technologien und Konzepte am Markt (z. B. Phosphor-Rückgewinnung)
  • Planbarere Kostenentwicklung
  • Erhebliche Risikominimierung in Bezug auf den Verwertungsweg

 

 

Die lntegrationsmöglichkeit einer Klärschlammvererdungsanlage am Standort der Kläranlage Rosche ist aufgrund der bestehenden Verfahrenstechnik sehr gut umsetzbar. Unter Berücksichtigung der genannten Sachverhalte ist die Realisierung des Bauvorhabens ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll.

 

Die Umstellung des Schlammbehandlungsverfahrens bringt den Synergieeffekt mit sich, dass der vorhandene Schlammstapelbehälter umgenutzt werden kann. Die neue Nutzung des Stapelbehälters als Misch- und Ausgleichsbecken vergleichmäßigt die Frachtbelastung über 24 Stunden und entlastet alle dahinterliegenden Anlagenteile. Die Belüftungssteuerung der Belebungsbecken wird gemäß den neuen Anforderungen gerecht optimiert. Der Überschussschlamm der Biologie wird in den Vererdungsbecken für eine spätere Entsorgung bzw. Nutzung entwässert und weiter stabilisiert. Dieses Verfahren stellt eine Ergänzung und Erweiterung in Form einer naturnahen Eindickung und Entwässerung dar.

Nach ca. 15 Jahren hat sich eine Volumenreduzierung um ca. 90 bis 95% eingestellt, so dass eine weitergehende Nutzung bzw. Entsorgung wirtschaftlicher zu gestalteten ist. Der Trocken-substanzgehalt stellt sich nach der Betriebsdauer von 15 Jahren erfahrungsgemäß bei ca. 30 - 50 % ein. Die Becken werden als Erdbecken mit einer Vererdungsfläche von insgesamt ca. 5.000 m2 angelegt.

 

Die Klärschlammvererdung in Pflanzbeeten ist ein naturnahes Verfahren zur Entwässerung und weitergehenden Mineralisierung von Klärschlamm. Der aus der Anlage abgezogene Überschussschlamm wird über eine Druckleitung mit entsprechenden Regelarmaturen in die Vererdungsbecken (Pflanzbeete) eingeleitet. Die Verteilung des Schlamms ist automatisiert, so dass eine optimale Auslastung der Becken gewährleistet werden kann. Durch die alternierende Beschickung wird der Schlammkörper in jedem Becken gleichmäßig aufgebaut. Nach jedem Beschickungsvorgang passiert das im Nassschlamm enthaltene Wasser den Klärschlamm-/ Klärschlammerdkörper sowie die Filter- und Dränschicht und wird von einem Dränagerohrsystem aufgenommen und zum Filtratpumpwerk geleitet. Bei der Passage des Bodenkörpers erfolgt durch aerobe Prozesse ein zusätzlicher Abbau der organischen Substanz. Über ein Filtratpumpwerk mit Druckleitung wird das Drän-/Filtratwasser zurück in den Abwasserreinigungsprozess der Kläranlage gefördert.

 

Beim Verfahren der Klärschlammvererdung können durch Entwässerung und den Abbau organischer Substanz innerhalb von ca. 15 Jahren Trockensubstanzgehalte (TS-Gehalt) von 30 bis 50% erreicht werden.

 

Durch die zuvor beschriebenen Anpassungen und dem Bau der Klärschlammvererdung lässt sich ein CO2-Äquivalent von ca. 55 t einsparen.

 

Das Vorhaben wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) mit 652.500,00 € gefördert.