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 Die Brautsteine

Die Brautsteine befinden sich auf einer Anhöhe zwischen dem unteren Drawehn und der Göhrde im Gemarkungsgebiet Schmölau-Hof Rohrstorf-Nievelitz. Dort ist eine Wetter- und Wasserscheide. Das überschüssige Wasser fließt einmal in die Ilmenau und in Gegenrichtung zur Jeetzel. In der Elbe, in die beide Flüsschen münden, treffen sich beide Wasser wieder. Die Steine liegen an einer günstigen Trasse zwischen Lüneburg und Salzwedel. Die alten Frachtkutscher brauchten sie von Alters her zur Orieniertung. Sie hatten und haben etwas Magisches und viele Mythen und Sagen werden ihnen zu geschrieben. Zweimal wurde versucht die Steine zu entwenden. Beim erstenmal wollte man sie für die angeblichen germanischen Kultfeiern 1936 am Landtagsplatz bei Hösseringen als Rednerpult haben, um die Mystik für die damalige Ideologie zu missbrauchen. Sie wurden aber vom Denkmals- und Katasteramt verhement verteidigt. Letztlich verhinderte sicher die Tatsache, dass der stehende Stein zu tief im festen Ton steckt, den Abtransport. Aus Frust weil man den Stein nicht wuppen konnte, hinterließen die Funktionäre ein Hakenkreuz hinterm Stein. Als zweites wollte ein Ort sie gern als Erinnerungstafel für ein Dorfjubiläum haben. Man hätte sie gern gegeben, denn durch das Hakenkreuz waren sie sowieso entweiht. Während früher der gesamte Hügel mit Heide bewachsen war und dadurch einen urwüchsigen Eindruck machte, wurden nach und nach die angrenzenden Flächen aufgeforstet und die Wahrzeichen verschwanden mehr und mehr im öden Kiefernwald. Woher diese Wahrzeichen ihren Namen haben, erzählt man sich in unseren Kreisen so:
Ein heiratsfähiges Mädchen von unserem Hof in Schmölau sollte nach Willen ihrer Eltern nach Nievelitz verheiratet werden, da es wohl langsam Zeit für sie wurde. Es kam auch wohl öfter vor, dass der Vater den Mann für seine Tochter aussuchte. Man sah dabei mehr auf die Größe des Hofes und meinte die Liebe würde schon von selbst kommen. Die menschlichen Qualitäten des Bräutigams stellte man nicht so in den Vordergrund.
Unser junges Mädchen hatte sich aber eigentlich schon einen anderen Mann ausgeguckt, der sie aber verschmähte.
So kam der ungeliebte Bräutigam am festgestzten Tag mit seiner Kutsche vorgefahren, um seine Braut abzuholhen. Nachdem die Koffer mit der Aussteuer aufgeladen waren, das Geschäftliche erledigt und noch gegessen und getrunken war, wurde es Zeit aufzubrechen. In diesem Moment zog ein Gewitter auf, aber man sagte sich, es wird schon gut gehen...
Sie waren gerade erst vom Hof, da begann der ungeliebte Bräutigam, statt um seine Braut zu werben, Anweisungen zu geben. Bei uns müssen die jungen Frauen vor dem Frühstück gemolken haben;abends wird noch jedes Licht zum Spinnen und Weben genutzt, meine Mutter kocht das Mittagessen immer pünktlich zu um zwölf. So und ähnlich ging es noch eine ganze Weile weiter.
Das empfand unsere Braut als Zumutung und sie geriet darüber so in Rage, dass sie auf stand und mit aller Kraft und durchdringend, wozu junge Frauen ja in der Lage sind, schrie:

"Lieber will ich als Stein tot vom Wagen fallen,
als mein Leben lang eure Magd zu sein!"

In diesem Moment stand ihnen das Gewitter direkt über dem Kopf. Ein greller Blitz zuckte und zugleich dröhnte ein gewaltiger Donnerschlag. Die Braut stürtze leblos durch die Wagenrungen und der Bräutigam, als er sah was er mit seiner Rederei angerichtet hatte, sprang hinterher. Der Kutscher konnte die von dem Unwetter in helle Aufruhr versetzten durchgehenden Pferde nicht halten.
So kam das Gespann in wildem Galopp ohne Brautpaar in Nievelitz an. Nach intensiver Nachsuche, woran wegen des gefährlichen und berüchtigten Moores auch die Leute aus Schwemlitz und Borg beteiligt waren, fand man lediglich diese Steine. So müssen wir die Geschichte des Kutschers von dem versteinerten Brautpaar glauben. Der als einziger Zeuge bei diesem Ereignis zugegen war.
In all den Jahrhunderten seitdem gab es immer wieder Geschichten und Erinnerungen mit und um unser Brautpaar, das seine schützende Hand bei gefährlichen Situationen über die Armen hielt und manche Beziehung und einige Ereignisse zum Guten gewendet hat.
Das diese Steine etwas Lebendes an sich haben, beweist die Geschichte eines
Pferdeknechts, der in der Nähe pflügte. Als er sich zum Vesper setzte, mit Speck und Brot stärkte und mit seinem Taschenmesser unversehens die Steine berührte, ist noch Blut herunter getropft. Selbst wenn man sie heute an der richtigen Stelle kratzt erscheint dort noch Blut.
Übrigens sind dies Geschichten die unser Lehrer uns in der Roscher Schule aus einem alten Buch vorgelesen hat, beziehungsweise die er vom Hörensagen noch kannte und uns erzählte.
Noch zur Kindheit meiner Großmutter gab es in Schmölau eine Magd, die so betagt war, dass keiner mehr ihr genaues Alter kannte. Sie erzählte immer wieder eine Geschichte, die schon keiner mehr hören wollte. Danach war sie in ihre Jugend mit den Gleichaltrigen aus Schmölau zum Faslamsball nach Timmeits gewesen. Als diese jungen Leute nach durchfeierter Nacht gegen Morgen bei hellem Mondschein singend, scherzend und lachend nach Hause gingen, waren sie unversehens auf die Anhöhe geraten.Mit einem mal sahen sie dort nicht die Steine, sondern statt dessen unser Brautpaar in voller Montur stehen und winken. Alles verstummte erschrocken und schweigend ging man langsam weiter. Als sie ein kleines Stück vorbei waren, drehte sich ein junger Mann aus der Gruppe um und machte unserm Brautpaar eine lange Nase. Innerhalb kurzer Zeit waren er und seine gesamte Sippe verstorben.
Die Hofstelle fiel wüst und die Ländereien wurden unter den übrigen Bauern aufgeteilt. Man munkelte, dass der junge Mann der seinerzeit die Braut verschmäht hatte, justaus dem selben Geschlecht stammte.
Das letzte Mal meines Wissens, dass sas Brautpaar in Erscheinung getreten ist, war jener Morgen als die Leute aus Brauel, Hohenweddrien und Zarenthien aufbrachen um nach Amerika auszuwandern, so gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Just in dem Moment als sie in Richtung Bremen an den Steinen vorbei kamen, waren sie mit einem Male ein Paar mehr.
Was geblieben ist und das ist zu allen Zeiten immer wieder bestätigt worden, ist der magische Einfluss in punkto Liebe. So hörte man in unserer Gegend und hört auch wohl heute noch eine Dame stöhnen, "wäre ich doch nur nicht zu den Steine gegangen". Oder andere,"Gott sei dank, dass ich ihn damals bei den Steinen verführt habe."



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